
Sind Sie auch schon einem blühenden Sonnenblumenfeld vorbei gefahren? Ich liebe Sonnenblumen. Sie sind ein Abbild der Sonne hier auf unserer Erde, ein Farbtupfer und noch vieles mehr.
Eine Sonnenblume wuchs auf einer Müllhalde, zwischen einer alten Holzkiste und einer alten Waschtrommel, umgeben von Abfall. Sie ist die einzige Blume weit und breit. Warum sie dort gewachsen ist, weiss niemand. Die Blume ist oft sehr traurig und in der Nacht träumt sei von saftigen Wiesen, bunten Blumenfeldern und Schmetterlinge, die um sie herumschwirren. Eines Tages bestaunt ein kleiner zerzauster Spatz die Sonnenblume. «Wie schön du bist!» Die Sonnenblume ist nicht einverstanden. «Du musst mal meine Schwestern sehen, die sind zehnmal so gross, ich aber bin klein und hässlich.» «Für mich bleibst du die Schönste», zwitschert der Spatz trotzig und fliegt davon. Doch er kommt wieder und besucht die Blume jeden Tag. Sie wächst und ihre Blüte leuchtet jeden Tag mehr. Sie sind Freunde geworden.
Eines Tages taucht der Spatz nicht auf und auch am nächsten Tag kommt er nicht. Die Sonnenblume fängt an sich Sorgen zu machen. Auf einmal liegt der Spatz mit ausgestreckten Flügeln vor ihr. «Bist du tot? Was ist passiert?» fragt sie erschrocken. Langsam schlägt der Vogel die Augen auf. «Ich finde seit Tagen nichts mehr zu Essen. Jetzt ist meine Kraft am Ende! Ich bin zu dir gekommen, um zu sterben.» Die Sonnenblume kann es nicht fassen. Sie senkt ihren schweren Blütenkopf nach unten und schon fallen die Sonnenblumenkerne auf die Erde. Der Spatz knackt mit letzter Kraft ein paar Kernen und bleibt erschöpft liegen.
Am nächsten Morgen aber fühlt er sich wieder stark und kräftig. Er will sich bei der Sonnenblume bedanken, aber er erschrickt, als er sie sieht. Die gelben Blüttenblätter sind schlaf geworden und die Blätter hängen kraftlos herunter.
„Was ist mit dir?“ piepst der Spatz erschrocken. „Mach dir keine Sorgen.“ antwortet die Sonneblume. „Meine Zeit ist zu Ende. Weisst du, ich dachte immer, dass ich umsonst hier gelebt habe. Aber jetzt weiss ich, dass alles einen Sinn hatte.“
Diese Geschichte berührt mich. Das Bild von einer Blume, die irgendwann vergeht, kennt schon der Prophet Jesaja. Alles Fleisch ist Gras, und alles, was gut ist daran, ist wie die Blume auf dem Feld. Das Gras vertrocknet, die Blume verwelkt, das Wort unseres Gottes besteht für immer. (Jes 40,6b-8)
Gott bleibt. Er wird nicht vergehen. Er sorgt für uns immer – wenn wir aufblühen, wenn wir gebraucht werden, wenn wir den Kopf hängen lassen, wenn uns die Kraft fehlt und auch wenn unser Leben hier auf dieser Erde zu Ende geht. Was für ein Versprechen! Er ist da und sieht uns, wie der Spatz und die Sonnenblume sich sehen und für einander da sind!